Er macht ja einen friedlichen Eindruck, der Rapfen. Unter vielen Anglern auch als „Silberpfeil“ bekannt, sieht er aus, als könnte er keinem Fischlein was antun, doch der Schein trügt. Er ist skrupellos und eiskalt, wenn es darum geht seine Beute zu machen. Wenn die Angler schon den Namen Rapfen hören, verbinden sie ihn sofort mit dem Sommer, weil sie der Illusion erlegen sind, dass Rapfen reine Sommerfische sind und man sie auch nur dann fangen kann. Das liegt wahrscheinlich daran, dass man automatisch an die typischen Raubzüge der Rapfen denkt, wie sie aus dem nichts in einen Kleinfischschwarm hinein preschen und somit das Wasser zum kochen bringen. Doch dieses Ereignis spielt sich meistens nur im Hochsommer ab.

Wenn das Jahr zu Ende geht und der Frühling Einzug hält, denken viele Angler gar nicht daran, den Rapfen um diese Jahreszeit nachzustellen. Die meisten Raubfischangler haben um diese Zeit des Jahres meistens nur den Hecht im Kopf. Doch für mich zählt der Frühling zu den besten Zeiten, wenn es darum geht einen Rapfen auf die Schuppen zu legen. Die Rapfen sind nach dem Laichgeschäft besonders hungrig und aggressiv und somit ist es für uns Angler die ideale Gelegenheit um sie gezielt mit Kunstköder zu beangeln. Außerdem haben die Rapfen über den Winter hinweg, wo ja kaum ein Angler den Rapfen befischt, die große Anzahl der Kunstköder vergessen, was sie nicht so argwöhnisch machen lässt. Die Rapfen, lassen sich jedoch im Frühjahr nicht so leicht lokalisieren, wie beispielsweise im Sommer. Da das Wasser noch lange nicht seine Höchsttemperatur erreicht hat, ist der Stoffwechsel der Fische noch nicht sehr hoch und deshalb jagen die Rapfen ihrer Beute noch nicht so wild und energisch nach, wie im Sommer. Wenn Sie jedoch einige Tipps beherzigen, die ich ihnen im Laufe dieses Artikels näher bringen werde, wird es nicht lange dauern, bis sie einen Frühjahrs – Rapfen ans Band bekommen.

Aufenthaltsorte


Jetzt bleibt die Frage offen: „Wo finde ich die Rapfen im Frühjahr?“ Was die Standplätze der Fische anbelangt, ist es aus meiner Sicht schwer, eine konkrete Aussage zu machen. Ich gehe meistens so vor, dass ich die Schwärme von Kleinfischen aufsuche, denn hier lauern immer ein paar Rapfen. Wenn kein Echolot zur Verfügung steht, sind die Kleinfische durch vermehrtes Auftreten von Schnurschwimmern erkennbar. Die wärmeliebenden Rapfen halten sich im Frühjahr dort auf, wo das Wasser am angenehmsten ist. Das ist natürlich immer eine Frage des jeweiligen Gewässers, denn in einem riesigen See, erwärmt sich das Wasser natürlich nicht so schnell, als wie beispielsweise im einem kleinen Weiher. Fische ich in einem Fluss, so beschränke ich mich auf Bereiche, die nicht allzu viel Strömung aufweisen. Das Wasser ist im zeitigen Frühjahr noch kalt und die Rapfen haben noch nicht die Kraft, um sich in der Hauptströmung zu halten.

Darum sollte man seine Aufmerksamkeit auf Hafenbecken richten, denn hier ist das Wasser beruhigt und meistens auch etwas wärmer, als wie im Hauptstrom. Weitere Hot Spots sind zum Beispiel Betonvorsprünge, Brücken bzw. Brückenpfeiler, Buhnenköpfe, der Bereich hinter großen Markierungstonnen und verschiedenste Strömungskanten. Je später dann das Frühjahr wird, desto weiter ziehen sich die Rapfen in die flachen, stark strömenden Gebiete zurück. In einem See, sollte man sich auf die Flachwasserbereiche, sowie auf Flachwasserplateaus konzentrieren, denn dort erwärmen die ersten warmen Sonnenstrahlen das flache Wasser am schnellsten und sind somit am interessantesten für die Rapfen und ihre Beutefische. Genau aus diesem Grund liegt auch die beste Beißphase im Frühjahr um die Mittagszeit.

Runter vom Gas

Was die Köderführung betrifft, muss man sich an die Wassertemperaturen anpassen. Da das Wasser im zeitigen Frühjahr noch kalt und unangenehm für Rapfen ist, muss man seinen Köder dementsprechend langsam führen. Wenn man bedenkt, dass der Köder im Sommer gar nicht schnell genug geführt werden konnte, muss man jetzt deutlich weniger kurbeln, um einen Silberpfeil an den Haken zu locken. Meine Köder, die ich im Frühjahr auf Rapfen verwende sind ca. 10 – 13.5cm groß. Keine Angst vor großen Köder im Frühjahr! Die Brutfische sind noch nicht geschlüpft und die Rapfen sind es gewohnt, größere Beutefische zu verspeisen. Man fängt mit dieser Ködergröße nicht nur die großen Rapfen, auch mittlere Fische stürzen sich auf diese Größe. Ich verwende im Frühjahr gerne Gummifische, denn diese kann man sehr variantenreich führen. Die Bleiköpfe wähle ich recht leicht aus, denn nur mit leichten Bleiköpfen kann man den Köder noch relativ langsam im flachen Wasser präsentieren. Gleichmäßiger Zug ist bei diesen Ködern sehr wichtig, denn darauf regieren die Rapfen besonders gut. Ein Modell mit einem Großen Teller – oder Hammerschwanz haben mir bisher die besten Ergebnisse gebracht. Ebenso gute Erfolge hatte ich mit Hardbaits. Hier benutze ich sehr gerne Suspender, die man sehr schön auf der Stelle stehen lassen kann. Ich hole diese Köder mit gefühlvollen Rucken ein und lege nach einem Ruck kleine Pausen ein. Je kälter das Wasser, desto länger können diese Pausen sein. 2 – 3 Sekunden sind nicht zu viel!

In diesen Pausen muss man besonders Aufmerksam sein, denn hier erfolgen viele Bisse. Auch nicht zu verachten sind Köder aus Metall. Diese haben den Vorteil, dass man sie unendlich weit werfen kann, was zum Beispiel in einem See, wo ein Flachwasserplateau mitten im Gewässer sein kann, sehr wichtig ist, um die Aufenthaltsorte der Rapfen erst einmal  erreichen zu können. Was die Köderfarbe betrifft, richte ich mich an die Gewässertrübung. Bei klarem Wasser kommen natürliche Muster zum Einsatz, wenn das Wasser trüb ist, bevorzuge ich eher Köder in Schockfarben. Ein Versuch mit einer knalligen Farbe, kann aber auch bei klarem Wasser nicht schaden, denn damit kann man bei dem einen oder anderen Rapfen Aggressionsbisse provozieren.

Beim Rapfengerät muss man abwägen: Fische ich in einem riesigen See oder Fluss und muss weit werfen um die Standplätze der Rapfen zu erreichen, oder angel ich in einem kleinen Teich oder Flüsschen im Nahbereich. Demnach habe ich zwei Rutenkombos auf Rapfen im Einsatz. Als Rute für große Distanzen nehme ich eine 2.70 Meter lange Spinnrute mit einem Wurfgewicht bis zu 40 gramm. Eine 0.10 mm  geflochtene Hauptschnur auf eine 2500 Stationärrolle und einem Vorfach aus 0.35 mm starkem  Fluorocarbon runden das Gerät ab.

Ist mit Hechten zu rechnen, dann ist natürlich ein Vorfach aus Stahl Pflicht. Für kurze Distanzen bevorzuge ich eine 2.10 Meter lange Rute, mit einem Wurfgewicht bis zu 30 gramm. Ob man hier eine kleine Stätionärrolle, oder ein Baitcaster benutzt ist lediglich Geschmackssache. Genau wie bei der langen Rute bespule ich die Rolle auch hier mit einer 0.10 mm geflochtene Hauptschnur und als Vorfach kommt ebenfalls Fluorocarbon oder Stahl zum Einsatz.

Auf die kleinen Dinge des Angelns achten

Besonders großen Wert sollte man auf die Kleinteile legen. Rapfen sind wahre Kraftpakete und hat es mit Fischen jenseits der 14 Pfund Marke zu tun. Ein großer Rapfen kann einem schon bei seinen typischen explosionsartigen Anbissen den Wirbel sprengen, oder den Haken aufbiegen. Deshalb verwende ich nur hochwertigste Karabiner und Sprengringe. An den Wobblern, die nur mit minderwertigen Haken ausgestattet sind, tausche ich die Drillinge grundsätzlich gegen hochwertigere Modelle aus. Jeder Knoten, muss perfekt gebunden sein, denn wenn wir es schon geschafft haben, einen Frühjahrs – Rapfen an den Haken zu locken, wollen wir auch keine Chance verspielen, um den Fisch zu landen.

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