Wie ja schon das eine oder andere Mal angekündigt, wollte ich schon länger mal einen Versuch mit Oberflächenködern, also Poppern, auf Hecht wagen. Heute war es soweit. Und jetzt, jetzt bin ich süchtig. Und auch mein Puls ist immer noch nicht normal.

Wunderschöne Morgenstimmung.

Wunderschöne Morgenstimmung.

Also gut, ich war also wieder an meinem Hechtwasser. Ja genau, das mit dem glasklaren Wasser und der schön-versteckten Location. Und ja, wieder mit dem Bellyboat. Jetzt dachte ich ja bislang, dass die Pirsch auf Meister Esox samt Bauchboot schon was sehr feines ist. Stimmt ja auch.

Unterwasseraufnahme kapitale Schleie.

Unterwasseraufnahme kapitale Schleie.

Aber. Aber ich hab heute noch eine neue Finesse kennengelernt. Eigentlich wurde ich dazu sogar fast gezwungen. Die Wetterkapriolen der letzten Wochen haben die Wasserpflanzen nur so sprießen lassen. Dicke Teppiche bis zur Wasseroberfläche soweit das Auge reicht. Kurz wollte ich fluchen, immerhin bin ich extra um fünf Uhr morgens auf um die natürliche Idylle zu genießen, bevor die obligatorischen Badegäste einlaufen. Anstatt zu fluchen habe ich mich allerdings kurz hingesetzt und überlegt. Wenig Wasser, viele Pflanzen. Für einen Lauerräuber wie den Hecht eigentlich perfekte Jagdbedingungen. Natürlich waren die ersten Versuche mit normalen, sprich leicht oder schnell sinkenden Streamern müßig und auch sinnlos.

Hechtchen in der Kinderstube.

Hechtchen in der Kinderstube.

Dafür konnte ich immer wieder kapitale Schleien beim Fressen beobachten. Die orangenen Augen leuchteten im glasklaren Wasser und machten Lust auf mehr. Als dann auch noch immer wieder Hechte meinen Weg kreuzten war ein Taktikwechsel gefragt. Zuvor hatte ich allerdings noch das Vergnügen einen etwa zehn bis 15 Zentimeter großen Baby-Hecht zu beobachten, der sich sogar ganz ohne Scham als geduldiges Fotomodell zur Verfügung stellte.

Aber dann. Dann hat es endlich Boom gemacht. Sogar vier Mal in nur vierzig Minuten. Ich hatte bezüglich der Angeltechnik umgesattelt. Auf Fluorocarbon als Vorfach und Rehhaar-Popper am Ende der Schnur. Die Versuche mit Plastik-Poppern schlugen interessanterweise vorher übrigens ebenfalls fehl, aber als ich den Whitlock-Streamer anknüpfte änderte sich das. Grundlegend. Hört sich jetzt echt kitschig an, aber bereits der zweite Wurf an die Krautgrenze brachte bereits eine brachiale Attacke. Völlig unangekündigt von unten. Ein geschätztes 50er Krokodil wollte den Streamer. Ich wollte das Krokodil. Allerdings wohl etwas zu viel, denn natürlich habe ich den Anschlag versaut, bzw. deutlich zu früh gesetzt. Nach gut zweieinhalb Stunden ohne Fisch eine hochwillkommene Abwechslung, wenn ich auch zugeben muss, dass mich diese Attacke doch etwas aus dem Konzept der Tiefenentspannung brachte.

Ein paar Würfe später konnte ich an einer Stelle unweit des ersten Bisses wieder ein brachiale Attacke erleben, dieses Mal zwang ich mich zur Ruhe und drillte kurze Zeit später ein Hecht-Spitzerl um die 40 Zentimeter, welches gleich im Wasser enthakt und in die Freiheit entlassen wurde.

Mit nasser Linse fotografiert es sich nicht gut.

Mit nasser Linse fotografiert es sich nicht gut.

Etwa zehn Minuten darauf folgte das gleiche Szenario wie bei Attacke Nummer 1. Ich muss jetzt noch grinsen wenn ich daran denke, diese vollkommen unangekündigten Attacken samt Luftsprung sind schon eine Sache für sich. Angriff Nummer vier gestaltete sich etwas anders – Popperfischen auf Sicht. Als ich die Rute kurz ablegte, in der Bellyboat-Seitentasche etwas suchte und der Whitlock regungslos im Wasser lag konnte ich einen schön-maßigen Hecht dabei beobachten wie er sich interessiert näherte. Unglaublich, aber wahr: er kostete sogar kurz den Streamer an, um ihn gleich darauf wieder auszuspucken, verharrte aber weiterhin etwa 7-8 Meter von mir entfernt. Bellyboat-Tasche zugezippt, Rute in die Hand, Wurf etwa eineinhalb Meter hinter den Fisch, zwei drei Stripps und BAMM. Voller Einstieg, oder Vollrun, wie die Wasserschweinderl-Jäger jetzt wohl sagen würde. Ich quittierte mit einem gestrippten Anschlag und er hing. Und ging ab wie eine Raver auf LSD. Fünf, sechs Luftsprünge und ein minutenlanger Drill waren nötig bevor ich den schlanken Hecht an der Bellyboat-Reling hatte. Mit einem Nackengriff fixiert konnte ich ihn gut messen, 74 cm. Perfektes Küchenmaß. Was soll ich sagen, die Einladungen an ein befreundetes Paar sind für morgen ausgesprochen. Hecht im Speckmantel steht auf der Menükarte…

tight lines,

gue

PS: Das es kurz nach der vierten Hechtattacke nochmals Boom machte, und zwar in Form von Donner tut hier zwar nichts mehr zur Sache, aber soll ergänzend erwähnt werden. Kurz nach Mittag war dieser wunderschöne Angeltag somit beendet.

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