„Hier müssen wir eine Siedlung direkt am ursprünglichen Flussbett finden“ ist sich mein Angelkollege sicher und gibt die Koordinaten, mit denen wir das GPS Gerät füttern, durch: „Nord 48 Grad, 39 Minuten und 33 Sekunden, Ost 14 Grad, 9 Minuten und 52 Sekunden“.

Barsche, Hechte und Zander lieben Strukturen. Sie lauern an Kanten auf Ihre Beute, verstecken sich zwischen Bäumen und Steinen oder pausieren an den tieferen Stellen und Löchern im See bis zum nächsten Raubzug. Der Lipno Stausee ist reich an solchen Hotspots – um Sie zu finden hilft es, die Geschichte des Sees zu kennen.

Die mehr als 60 Jahre alten Satellitenaufnahmen geben uns einen Eindruck wie es hier früher, vor dem Bau des Kraftwerks, ausgeschaut hat.  Das Moldautal war ein sehr fruchtbares, landwirtschaftlich stark genutztes Land. Wir erkennen Felder, Wälder, Alleen, Straßen, Brücken ja sogar Häuser und Siedlungen sowie den ursprünglichen Lauf der Moldau. All das liegt seit 54 Jahren, mehrere Meter unter dem 4560ha großen Wasserspiegel des Lipno Stausees, verborgen.

Die Pläne für einen Stausee, im von Überschwemmungen geplagten Einzugsgebiet der Moldau, reichen viele Jahre zurück. Auslöser dafür war ein Jahrhunderthochwasser im Sommer des Jahres 1890. In Prag stieg der Pegel der Moldau über 5 Meter und überflutete mehr als 4.000 Häuser. Daraufhin entwickelte ein Ingenieur Pläne über die Errichtung mehrere kleiner Staudämme. Die Landwirte im betroffenen Gebiet waren jedoch nicht bereit ihr Land zu verkaufen und so geriet das Projekt wieder in Vergessenheit.

Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Idee von der kommunistischen Regierung wieder aufgegriffen. Durch die Vertreibung der Sudetendeutschen, die größte Bevölkerungsgruppe der Region, waren die Grundbesitzverhältnisse einfacher und so wurde der Bau dieses Prestigeobjektes  des Kommunismus im Jahr 1951 begonnen. Im Frühjahr 1958 war der Bau fast fertig und so beschloss man kurzerhand, dass der Staudamm bereits Frühjahreshochwasser auffangen sollte.  Daher wurde das Abreißen der Gebäude und das schlägern der Wälder im Gebiet des Stausees beschleunigt durchgeführt.

Erzählungen zu Folge blieben allerdings Häuser, ja sogar ganze Siedlungen erhalten. Es kursiert auch ein Gerücht, dass bei Frymburg, zu Deutsch Friedberg, eine zentnerschwere Mariensäule am Grund des Sees liegt, die damals von den Bauarbeitern nicht mehr in Sicherheit gebracht werden konnte.

Angeblich sollen auch noch viele andere Schätze unter der Erde schlummern, vom Tafelsilber bis zum Familienschmuck, vergraben von den Sudetendeutschen kurz vor ihrer Vertreibung.

Bewaffnet mit Satellitenbildern, GPS Gerät und Echolot kommt schon ein wenig Indianer Jones Stimmung auf. Wir sind allerdings nicht auf der Suche nach verborgenen Schätzen am Grund des Sees. Unser Ziel ist es, die besten Standplätze von Barsch, Hecht und Zander zu finden.

Das GPS Gerät führt uns zielstrebig zum eingegebenen Wegepunkt. Das Wasser ist 6 Meter tief und während der gesamten Anfahrt ist absolut keine Struktur bemerkbar. Ein Blick auf die Satellitenkarte zeigt warum – wir befinden uns über früheren Wiesen und Feldern.  Mit langsamer Fahrt nähern wir uns den GPS Koordinaten und tatsächlich verringert sich die Wassertiefe innerhalb weniger Meter auf jetzt nur mehr 3,5 Meter. Wir überfahren den Punkt mehrmals und machen uns so eine Vorstellung wie es unter Wasser aussehen könnte. Es scheint als hätten wir einen typischen Barschberg gefunden. Durch das Abreißen der Häuser dieser Siedlung sind diese Erhebungen aus Geröll entstanden.  Barsche aber auch Zander und Hechte lieben solche Strukturen und lauern häufig am Fuß des Barschberges auf ihre Beute.

Wir verankern das Boot in ca. 15 Meter Entfernung zum höchsten Punkt des Berges und fischen den Barschberg von oben nach unten fächerförmig ab. Dazu verwenden wir Gummifische am Bleikopf mit denen  wir uns, zusätzlich zu den Echolot Bildern, ein noch besseres Bild der Struktur verschaffen können.

Beim dritten Wurf spüre ich plötzlich den von Zanderfischern geliebten „Tock!“ in der Rute und kann kurz darauf einen für den Lipno Stausee typisch, in Gold gefärbten Zander, landen.

Was in diesem Erlebnis so einfach wirkt ist harte Arbeit. Profis am Lipno Stausee durchkämmen den See schon Jahrelang auf der Suche nach den besten Hotspots. Neulinge sollten sich in erster Linie am ursprünglichen Flussbett sowie an den Kanten zwischen 4-7 Meter orientieren. Auch eine gute Methode ist es mit tieflaufenden Wobblern zu schleppen. Erkennt man am Echolot Strukturen oder bei Fischkontakt lohnt es sich zu ankern und den Platz intensiv abzufischen. Will man schneller zum Erfolg zahlt es sich aus einen der lokalen Angelguides aufzusuchen.

Infobox:Link zur Gewässerkarte mit Tiefenlinien:http://www.lake-trophy.com/karte ___________________________________________________Unterkunft und Mietboote mit Echolot und Elektromotor: Apartment-Vanessa s.r.o.
Bližná 25, Jestřábí III.
382 23 Černá v Pošumaví

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Guiding:

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http://andis-fishingadventure.com

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Raubfischbewerb am Lipno Stausee:

www.lake-trophy.com

4 Responses

  1. manuel

    Hallo,
    Woher bekommt man diese satellitenaufnahmen? Würde mich sehr freuen wenn sie mir weiterhelfen könnten!
    Mfg

    Antworten
  2. Wagner Leonhard

    Hallo, könnt ihr mir bitte sagen wo ihr das alte Satellitenbild herhabt, bzw. gibt’s da den ganzen See ?
    Ich suche schon verzweifelt und kann nichts finden ;-(

    Danke im Voraus.

    MFG Leo

    Antworten
  3. Dworak Andreas

    ich würde die alte Satelitenaufnahmen vor der Aufstauung des Sees auch für meinen Fischeraufenthalt am Lipno gut brauchen können. Wie kann ich sie bekommen?

    danke,

    A. Dworak

    Antworten
  4. Dworak Andreas

    habt ihr Kontaktdaten von einem Guide, wo man Boote mieten kann, gute Platze, sonstige Tipps (Unterkunft)? Wir würden gerne im November übers Wochenende hinfahren.

    vielen Dank,

    A. Dworak

    Antworten

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