Die Welt des Meeresangelns in wärmeren oder tropischen Meeren.

Nach dem Erscheinen des Reiseberichtes „Nova-Scotia-Berichts 2010“ in der letzten Ausgabe von Angelfieber dachten Christoph und ich darüber nach, welcher Folgebericht wohl für die Angelfieber Leser interessant sein könnte. Nach etwas Hin und Her, fanden wir dann einen Ansatz: Eine Artikelserie für „Quereinsteiger“ (aus allen Bereichen des Süßwasserangelns) und/oder „Umsteiger“ (aus der großen Gruppe der Nordmeerangler) in die Welt des Meeresangelns in wärmeren oder tropischen Meeren soll es werden!

Zur Zielgruppe zählt beispielsweise der Angler, der während eines Familienurlaubs am Mittelmeer oder anderen südlichen Küsten, bei seinen Spaziergängen durch die Yachthäfen prächtige Big-Game-Boote und deren Fänge bestaunt und während seinen „erholsamen“ Stunden am Badestrand wiederholt größere Fisch in der Brandung rauben sieht. Spätestens jetzt verweigert unser „angelnder Familienvater“ garantiert Sonnenbad und Shoppingmeile und sucht verzweifelt nach einem Weg, „die Großen in der Brandung“ auf die Schuppen zu legen – denn schließlich ist er ja ein alterfahrener Angler, der an den heimischen Gewässern (fast) immer fängt. Unser „Süßwasserheld“ rennt ins nächste Angelgeschäft, kauft Irgendetwas das nach Meeresangelgerät ausschaut, „Köder mit Fangarantie“ und angelt damit irgendwie wild drauf los. In der Regel wird unser „Neumeeresangler“ dabei Schneider oder erlebt eine böse Überraschung.


Da unserer „Süßwasserheld“ aber nicht zum Verlierer geboren ist, landet er in seiner Verzweiflung dann auch noch in den Klauen der örtlichen „Angelcharterboot-Strandpiraten“.

Damit Sie geehrter Leser (nicht mehr allzu leicht) in diesen Teufelskreis geraten, versuchte ich in diesem und den folgenden Artikeln, einen zumindest groben Überblick über das aktuelle Meeresangeln zu schaffen. Ganz besonders lagen mir dabei die Angler am Herzen, die (wie ich) ihr Geld noch zählen können bzw. deren Reise-, Charter- und Angelgerätekosten eine Grenze nicht übersteigen dürfen!

Wichtige Begriffe
Vorab einige Begriffserklärungen, die in der „Big-Gamer-Szene“ benutzt werden: Die Bezeichnungen: „Big Game Fishing“ und ganz besonders „Big Gamer“ mag ich nicht und bei „Little Big Game“ bekomme ich Schweißausbrüche. Deshalb fasse ich Beide in dem schönen Halbsatz: „Meeresangeln in wärmeren oder tropischen Meeren“ zusammen und bezeichne mich selbst als „Meeresangler“! Zusätzlich unterscheide oder ergänze ich dann nur noch nach den Zielfischen, Geräteklassen und Angelmethoden. Für mich gibt es auch keine „Elitetrennlinie“ zwischen den „Nordmeeranglern“ und den „Big Gamern“; und das Salzwasser-Fliegenfischen hat zwar sein klar definiertes und auch berechtigtes Einsatzgebiet und seine Zielfische – ist meines Erachtens aber gegenüber den anderen  Meeresangelvarianten nicht besonders hervorzuheben!

Bonefish beim Salzwasser Fliegenfischen

Da Englisch die „Meeresangler-Amtssprache“ ist, verwende ich die englischen Fischnamen und Gerätebezeichnungen – auch deshalb, da die meisten deutschen Namen und Begriffe bei vielen unbekannt sind und leider auch oft verwirren.

Offshore, Onshore und Inshore

Das Meeresangeln weit vor der Küste – zum Beispiel auf Marlin und andere größere Fische – bezeichne ich als Offshore-Meeresangeln. Das Angeln nahe der Küste bzw. über der ersten Abbruchkante, über/um Untiefen und um Inseln – zum Beispiel auf Segelfische,  und Beifang – nenne ich Onshore-Meeresangel. Das Angeln am/im Riff, zwischen kleineren Inseln und in den Flats nenne ich Inshore-Meeresangeln; dazu zähle ich auch das Angeln im Mündungsbereich großer Flüsse.

Gabelmakrelen kurz Palo

Das Angeln mit dem Vorsatz die Fische in jedem Fall wieder freizulassen, bezeichne ich als „Catch & Release“; im Gegensatz dazu steht „Catch & Kill“. Das Angeln von „teureren“ Big-Game-Charterbooten (inklusive Proficrew und Vollservice) nenne ich „Vollbetreutes Angeln“.

Das selbst organisierte Angeln mit eigenem Gerät und minimaler Hilfestellung durch den Bootsführer oder im Idealfall sogar als sein eigener Skipper nenne ich „Selfmade-Angeln“.

Big Game Charterboot vs. Selfmade mit “Emanuelle”

Weltweit unterscheiden sich die Meeresanglerzentren nach ihren Beutefischen, soll sagen: Es gibt dort „Hauptzielfische“ und entsprechende Saisons. Zum Beispiel sind die Kapverden für Atlantik Blue Marlin in der Zeit zwischen von März bis Juni  und bei Stückgewichten zwischen 200 bis 500 englischen Pfund (LB.) meines Erachtens momentan Weltklasse!

Dort und in den meisten anderen Marlin-Angelzentren ist der Angler aber auf „teure“ Charterboote angewiesen, das heißt auch: „Vollbetreutes Angeln“ und in der Regel wird auf den Booten „Catch & Release“ praktiziert. Auf diesen Booten ist die Einflussnahme eines „vollbetreuten Gastes“ auf das Wie und Wo stark eingeschränkt und in der Regel wird er zusätzlich auch noch von der Crew zum „Leinereinkurbler“ degradiert. Aber! Die Proficrews verstehen ihr Handwerk und wenn Fische da sind, „fängt“ der „vollbetreute Gast“ auf diesen Booten sehr gut!

Für echte Meeresangler sieht es beim Angeln auf Großthunfische (etwas) besser aus bzw. oft wird in den Tuna-Zentren „Vollbetreutes-“ und „Selfmade-Angeln“ nebeneinander angeboten. Das „Selfmade-Bigtuna-Angeln“ kann ich aber nur erfahrenen Meeresanglern empfehlen.

Wer hingegen Sailfish, kleinere Tunas, Wahoos, Goldmakrelen und anderen „Beifang“ auf die Schuppen legen will, kann sich bereits mit etwas Erfahrung den eingeborenen Bootsführen, Berufsfischern oder Tauchbootführen anvertrauen bzw. auf deren Außenbordern oder traditionellen Fischerbooten mit „Selfmade-Angeln“ sein Glück versuchen. Auch auf Segelbooten ist das Angeln auf Sailfish und Beifang mit etwas Umdenken und angepasstem Gerät machbar.

Dafür bieten sich meines Erachtens an: Das Ebrodelta, die kroatische Adriaküste, die Pazifikküsten Costa Ricas, Panamas und Nicaraguas, die Malediven, Kenia, Mauritius, Thailand und andere Länder und Inseln im Indischen und Pazifischen Ozean. „Safety First“ sollte aber bei solchen Angelabenteuern unbedingt vor und über Allem stehen! Auch ist dafür eine gute und auch komplette eigene Ausrüstung Pflicht und muss von einem „Selfmade-Angler“ (blind) beherrscht werden; auch die dortigen Angelmethoden und Techniken sollten zumindest bekannt sein! Selbstverständlich wird in der Regel auch dort das „Vollbetreute-Angeln“ angeboten.

Beim Angeln vor/am Riff ist ein erfahrener Bootsführer Pflicht – denn hier ist die Gefahr für Leib und Leben sehr hoch!

GT am Riff
Bei allen Formen des „Onshore-Angelns“ liegen die Charterkosten zwischen „günstig“ bis „exklusiv“; wer intensiv sucht und das Preis-Leistungs-Verhältnis berücksichtigt, wird garantiert „bezahlbare“ Boote finden!

Das Inshore-Angeln innerhalb des Riffs und in den Kanälen dazwischen – Flats genannt – unterliegt ähnlichen Bedingungen und Regeln wie das Angeln am/vorm Riff. Greift man dort mit der Fliegenrute auf Tarpon und Co. an, geht es (zumindest die ersten Male) nicht ohne Guide. Für mich ist das „Strandwandern mit Rute und Rolle“ eine der interessantesten, schönsten und die günstigste Variante überhaupt – aber ohne Ortskenntnisse und etwas Erfahrung wird das nichts!

Das klassische Brandungsangeln kenne ich nur als Beobachter; ich bin mir aber trotzdem sicher, dass gerade für Angler mit weniger Geld diese Variante eine echte Alternative darstellt – auch ist das noch „Selfmade-Angeln“ in reinster Form! „Geiz ist geil“ geht beim Meeresangeln letztendlich immer schief; hingegen die Ausgaben für Charter und Guides im Rahmen seiner Möglichkeiten zu halten, geht aber meines Erachtens voll in Ordnung!

Wie geht es in den nächsten Magazinausgaben weiter:

  • In Teil II. werde ich versuchen, die mir bekannten Meeresangelmethoden und –Techniken zu beschreiben. Dabei gehe ich auch auf die speziellen Probleme der Quereinsteiger und Umsteiger ein.
  • In Teil III. will ich einen groben Überblick der verschiedenen Grundausrüstungen, die verschiedenen Köder und das Zubehör  schaffen; auch meine Kaufempfehlung von „gerade noch ausreichend“ bis „teuer aber beste Qualität“ wird nicht fehlen.
  • In Teil IV. werde ich dann genau zeigen, wie man seine Grundausrüstungen für die ersten Einsätze vorbereitet und zusammenbaut. Das Warum und Wie und die meines Erachtens wichtigsten Knoten und Montagen runden das Ganze ab.
  • In Teil V. gehe ich auf die Hauptreiseziele der deutschsprachigen Meeresangler ein und versuche einen Überblick der dortigen Zielfische und Fangsaisons zu schaffen. Auch das Problem „Familienurlaub + Angeln“ werde ich ansprechen und allgemeine Themen  anschneiden.
Interessante Meeresangelgeschichten, entsprechende  Videos, die besten Kunstköder und Montagen gibt es bei www.bluewaterfishing.eu

Robert Rein
IGFA-Repräsentant in Bayern
IGFA-Captain

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