Das Flaggschiff aus dem Hause Tica steht für Kraft! Der Name Taurus (lat. Stier) ist nicht grundlos gewählt.

Schon die Haptik beim „befummeln“ im Laden verspricht ein äußerst angenehmes Fischen. Es ruckelt nichts, nicht das geringste wackeln – einfach nur ein satter Lauf. Der Rotor ist optimal ausbalanciert.

Was auffällt, ist ein (anscheinend) rauer Lauf. Vor allem bei eingeschalteter Rücklaufsperre. Das ist aber kein Manko und auch bei allen Taurus so. Der Grund ist das verwendete Fett in der Rolle und dem Nadellager, das sich erst gleichmäßig weichlaufen muss. Aber schon nach dem ersten Einsatz verschwindet so was.

Das Getriebe ist groß dimensioniert und exakt verarbeitet.

Ein echter Eyecatcher ist der Kurbelknauf! Oft habe ich jetzt schon gehört „der muß doch stören!“, „viel zu unhandlich!“ und ähnliches. Aber ich versichere, das (hat man sich mal dran gewöhnt) kaum eine andere Form angenehmer in der Hand liegt.

Die Taurus wird mit zwei verschiedenen Spulengrößen geliefert. Der 3000er Größe liegt z.B. eine vollwertige 4000er Spule bei. Ich fische fast ausschließlich die größere Spule. Der Vorteil: Mit dem größeren Durchmesser der 4000er erreicht man größere Wurfweiten und der Schnureinzug pro Kurbelumdrehung steigt von 78 auf 85cm.

Die Schnurverlegung ist dank Wormshaft gut. Nur bei Stärken, die weit außerhalb des angedachten Einsatzbereichs liegen, bekommt sie Schwierigkeiten. Aber wer zieht schon auf eine 3000er Rolle eine 40er Geflochtene?

In der Praxis wird die Taurus von mir zum schwereren Spinnfischen auf Hecht und Zander eingesetzt. Da kann´s schon sein, das dabei den ganzen Tag Bull Dawgs, Gummifische 18cm+ am schweren Jig oder auch mal ein Bugtail-Spinner ins Wasser fliegt. Alles Köder, die einer Rolle mächtig zusetzen. „Beifänge“, wie einige Waller bis 178cm, verkraftete die Rolle ohne zu Mucken.

Nach jetzt mehr als sechs Jahren regelmäßigen Gebrauchs zeigt die Taurus keine größeren Verschleißerscheinungen. Der Lauf ist nach wie vor präzise, seidenweich und ohne irgendwelche störenden Geräusche. Kurbel und Getriebe haben keinerlei Spiel.

Ok, ein paar Schrammen hat sie abbekommen, aber das liegt daran, das ich mein Gerät doch sehr fordere. Das sie eine Zierblende verloren hat, kann ich für meinen Teil gut verschmerzen. Ich muss ja „nur“ Angeln damit und das Ding nicht heiraten!

Darüber hinaus musste ich in den sechs Jahren bisher je einmal die Bügelfeder und das Schnurlauf-röllchen wechseln. Ein geringer Aufwand meiner Meinung nach.

Natürlich wird das gute Stück auch gepflegt, auch wenn sich die Pflege schon sehr im Rahmen hält.

Einmal im Jahr wird sie zerlegt, gereinigt, neu geölt, gefettet, manche Teile mit Teflon behandelt und wieder zusammen gebaut. Fertig!

Diese ganze Stabilität und Kraft hat natürlich auch einen Haken: Mit 420 Gramm ist die 3000er Taurus nicht eben ein Leichtgewicht, sondern schon ein richtiger Brocken.

Aber was will man auch sonst von einer Rolle erwarten, deren Gehäuse komplett aus Aluminium gebaut ist, eine stabile Edelstahlachse, ein großes Getriebe und 14 Edelstahlkugellager (RBB) hat?

Einen Tag Spinnfischen mit der Taurus ist nun wirklich kein Kindergeburtstag. Aber dafür hat man ein Gerät in den Händen, auf das man sich in jeder (un-)denkbaren Situation zu 100% verlassen kann. Und das ist mir mehr wert, als eingesparte 100 Gramm.

Die technischen Daten:

• 14 salzwasserfeste RRB Kugellager
• Instant Anti-Reverse Rücklaufsperre
• Geschmiedete Aluminium Weitwurfspule
• Ausbalancierter, Anti-Twist Rotor
• Edelstahl Hauptachse, Wormshaft und Antriebswelle
• Extra starkes Messing Antriebsritzel
• Titanium beschichtetes Anti-Twist
• Power-Schnurlaufröllchen
• CNC gefräste Aluminiumkurbel
• Lifetime Bügelfeder
• Geschmiedete Aluminium Zusatzspule

In diesem Sinne

viel Spaß beim Angeln und Tight Lines

euer Gerhard Sauer

Eine Antwort

  1. Haramis Kalfar

    Hola auch Gran Canaria.
    Ich bin Fishing Guide auf Gran Canaria und fische die Tica Taurus 4000 sowohl am Meer als auch im Süsswasser.
    Ich bin min. 2 x die Woche am Wasser und habe daher entsprechende Erfahrung.
    Daher muss ich Deinen bzw. den Herstellerangaben in Teilen widersprechen:
    Nach ca. 2 Jahren Nutzung stellen sich je nach Kunstködertypen doch Verschleißerscheinungen ein:
    Besonders Köder mit großen Schaufeln, die entsprechend Widerstand bieten, schlagen der Rolle sehr auf das Wormshaft-Getriebe. Dies macht sich vor allem durch Abnutzungserscheinungen des Pins bemerkbar und beim hinteren Lager, dass aufgrund Einlaufens eines Messingdistanzstücks ausschlägt. Auch die Lager des Schnurfangröllchens fangen an Geräusche von sich zu geben.
    Eine typische Erscheinung dieser Rolle, wie mir zahlreiche andere “Spinner” auf der Insel bestätigten.
    Der Anfangs reibungslose Lauf beginnt aufgrund des Spiels unruhig zu werden – die ersten Knoten stellen sich ein.
    Damit verliert die Rolle besonders am Meer ihren Wert.
    Ersatzteile zu bekommen ist kaum möglich, da die Rolle nun entsprechend alt ist und nicht mehr produziert wird.
    Dafür kann man hier für nur 140 Euro eine neue erwerben.
    Die vom Hersteller angegebenen Schnureinzugsangaben sind völlig überzogen und auch nicht bei übervoller Rolle zu erreichen.
    Bei normal gefüllter Rolle kommt man bei der 4000 S je nach Schnurdicke auf ca. 73 – 76 cm – statt der angegebenen 85 cm.
    Alles in allem eine gute Rolle, mit der ich fette Schwarzbarsche und selbst über 1m lange Barracudas mühelos gedrillt habe.
    Würde ich jederzeit wieder kaufen – allerdings nicht zu deutschen Preisen von weit über 200 Euro – da gibt es inzwischen moderneres und billigeres.

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