Der nächste Angriff stand an. Keine Gnade für die Schottergruben-Rüssler. Diesmal in noch gewaltigerer Form, da ich wieder gemeinsam mit dem Senior antrete. Die geballte Macht des Hager-Duos. Der Schrecken aller Lauben und die Propheten der Schilfkante. Gefährlicher als jede Speikobra und bissiger wie ein Rudel Hyänen.

Im Nu waren alle 4 Montagen versenkt und schon hat mir mein Dad, “Mr. Untertagsfänger” persönlich, die ersten Bisse angesagt. Klar, von irgendwem musste ich ja dieses grenzenlose Selbstvertrauen haben. “Herst Dadi, bis zur Dämmerung kenntn wir in Seelenruhe Kortnspün, ohne auch nur einmal aufstehen zu müssen!” Ich versuche mein ultimatives Wissen natürlich breitbrüstig anzubringen, wobei ja die zahlreichen Fänge von Dad während des Tages eher für seine Theorie sprachen als für meine. In seinen Augen natürlich. In Meinen hatte ich ja die Erfahrung gemacht, daß ich untertags komplett angeschissen bin und fast ausschließlich bei Dunkelheit abhebe. Theorien hin, Dogmen her. Sehen wir was kommt. Um 13Uhr geht plötzlich meine Mühle ab. Das gibts ja nicht. “Na, sog i´s ned?” wird mir hinterhergeworfen, während ich zur Rute hetze.

“BLABLA!” Freudig strahlend und blöd scherzend nehme ich den vibrierenden Angelstock aus seiner Umklammerung. Ein dezenter Kontakhersteller erfolgt … tschack, weg. NAAAAAA! Das darf nicht wahr sein. Das hatte es schon lange nicht mehr gegeben. Die Sau fährt unter Wasser voll ab, zieht mir meterweise die Leine von der Rolle und steigt ansatzlos aus, wenn da ein wenig Spannung zustande kommt. Ärgerlich und rätselhaft. Aber was sollte man machen. “I bin des jo ned gwohnt, untertogs wos zu faungan – do muss ma wohrscheinlich obnormal fischen so wie du!” Ja, beim Unfug reden, waren wir Weltmeister. Trotz des Aussteigers hatten wir dank des Austausches von fröhlichen Schottergrubenstories einen mords Spass, bis um etwa 16 Uhr die erste Falle von Dad zugeschlagen hatte. Wirklich wahr. Schon der zweite Biss im Tageslicht. Unpackbar.

Der vermeintliche Monsterfisch entpuppte sich als 5er, was aber den Erfolgsgefühlen keinen Abbruch tat. Blank waren wir schon mal nicht. Kaum war der schuppige Kerl wieder in den türkisen Fluten, machte sich Herr Hager Senior an die Neubeköderung seiner Montage und kam aber nicht mal dazu, denn jetzt lief auch seine zweite Rute ab. “Geh schleich di – des is jo nimma normal!” Mit einem Schmalzgrinser lacht mir mein Dad entgegen, während er Saugdepp Nummer 2 Richtung Kescher dirigiert. Leider schafft es auch dieser Kollege nicht an der Zweistelligkeit zu kratzen, was aber Tatsache keinen Abbruch tat, daß es jetzt schon 0:2 stand. Und ich noch dazu einen vergeigt hatte. Aus. Es musste was passieren. Plötzlich war erneut munteres Treiben bei uns am Sattel, denn mein Dad machte seine Welsrute für die Nacht fertig und ich entschied mich, eine Falle wieder direkt ans eigene Ufer zu legen. 20 Minuten später saßen wir schon wieder am Tisch der Weisen und harrten der Dinge, die da kommen mochten. Langsam aber sicher kroch die Sonne Richtung Horizont und in mir keimte das Wissen der Nachterfahrung … bald würde es scheppern.
Jetzt kommen sie aus den Löchern, um sich mit leicht zu besorgender Nahrung die Bäuche vollzuschlagen.

Nachdem wir uns am herrlichen Sonnenuntergang und 2 gegrillten Forellen aus dem Supermarkt gelabt hatten, hieß es wieder warten. Das ewige Warten. Lange musste ich jetzt aber nicht ausharren, denn keine 10 Minuten, nachdem ich den letzten Salmonidenfetzen verschlungen hatte, wurde die Uferrute fast von den Sticks gerissen. Bist du deppat. Eine Killerflucht wie aus dem Bilderbuche. Nichts wie hin zum zappelnden Stock, um den dahinpreschenden Rüsselfisch in die Schranken zu weisen. Erneut geschieht das Unfassbare. Ich nehme den Knüttel auf, der geht in die Krümmung, um ansatzlos wieder in die Werksform zurückzuschnalzen und mir somit signalisert, daß ich nun mit Aussteiger Nummer Zwei mental umzugehen habe. Wie konnte es sowas geben? Das Rig war hundertfach bewährt, der Haken scharf wie eine 20jährige College-Studentin und ich angeschissen, wie ein Einbeiniger bei der Arschtritt-WM. Wieder lege ich die Schneemann-Montage direkt vors Schilf, senke die Leine mittels Backlead ab und rolle mich auf die Liege. Verdammt. Aber ich konnte jetzt ohnehin nichts ändern. Jetzt kam erstmal die Nacht. Und die kam und ging ohne den leisesten Pieper bei mir. Bei Dad hat zwar zweimal die Raubfischrute ordentlich gemeldet, was aber im Endeffekt auch nichts einbrachte. Karpfentechnisch völlige Stille. Einmal bin ich mitten in der Nacht sogar aufgestanden, um die Bissanzeiger zu kontrollieren, weil ich die Lautlosigkeit derselbigen nicht erklären konnte. Aber die funktionierten …

6:45 morgens. Ein tiefer, brummender Dauerton holt mich aus den Träumen. Die tieforange Sonne steht bereits über dem Horizont, Dad neben den Ruten und ich blinzle abwechselnd auf die lärmende und leuchtende Empfängerbox neben mir und auf Mr. Hager Senior. Der sieht mich mit großen Augen an, während ich gerade mal realisiere, daß da jetzt wirklich meine Mühle auf der Langdistanz abläuft. Alterrrrrrr. Raus aus den Federn und nichts wie hin zum knatternden Stock. Innerlich bete ich zu einer extraterrestrischen Macht. Bitte, bitte kein Aussteiger. Die Rute verneigt sich und ansatzlos bin ich dankbar. Joooooo, der pickt! Noch immer sind meine Äuglein zu schmalen Schlitzen geformt, da ich frontal in die aufgehende Sonne blicken muss und vor wenigen Sekunden noch in der schlafenden Dunkelgeheit gefangen war. Jetzt war keine Zeit fürs Raunzen, der der Bursche am anderen Ende der Leine war nicht gerade von der Hosensackdrillerpartie. 15 Minuten dauert das Tauziehen, bis ich das Schuppenschwein endlich im Kescher habe. Erst jetzt wird mir wirklich bewußt, wie erledigt ich eigentlich bin. Aufwachen und kämpfen war nicht so das Wahre. Ganz anders als mitten in der Nacht. Eigenartig…

Aber egal. Im Netz unter meinen Knien stand jetzt erstmal das bereits abgehakte, feiste Rüsseltier und ich musste erstmal in aller Ruhe einen Klimmstengel vernichten, bevor ich auch nur daran denken konnte, den Burschen jetzt zu stemmen und dabei freudig grinsend in die Kamera zu lächeln. Nachdem ich mich halbwegs wieder in der Welt der Lebenden befand, konnten nun endlich auch Bilder von diesem äußerst kräftigen Schuppler gemacht werden. YES! Das war schon mal eine ordentliche Granate und einer der fettesten Fische, die ich je in Sweetspring gefangen hatte … und schon waren die Aussteiger vergessen. Back on track!


Jawohl. Schön und klug musste man also nicht sein. Man braucht nur des Glück auf seiner Seite. Irgendwie wars wieder typisch. Da fängt Dad gleich zwei Fische in Serie, ich versemmle zwei andere und hab diese geistesgestörte Sau, noch einen Fisch zu fangen, der gleich mal mehr Gewicht auf die Waage brachte, als die Beiden vom Senior Gelandeten zusammen. Eigentlich ungerecht, aber so ist die Fischerei. Einmal der, einmal der. Das Glück is a Vogerl. Gegen Mittag hab´ ich dann natürlich bestens gelaunt meinen Tand gepackt, hab´ meinem Dad noch ein fettes Petri gewünscht und bin abgerauscht. Direkt zum weissen Massai, um meinen zur Neige gehenden Kugelvorrat aufzufüllen. Denn jetzt gehts erst richtig los. Der goldene Herbst steht vor der Tür und was das für uns Saugdeppenjäger bedeutet ist so klar wie ein Gebirgssee:
It´s harvest time…

Eine Antwort

  1. Rudolf Thurner

    Servus Alexander,
    wie immer lese ich Deine Kommentare mit Hochgenuss und fühle mich sofort mit Deinen Storys an`s Wasser versetzt.
    Herzliche Grüße Rudolf

    Antworten

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